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Warum Futterbelohnung zu einer Scheinbindung führen kann

Damit du das Zentrum des Hundes in seinem Leben wirst, und nicht nur sein Futterautomat bist, setzen wir auf Spiel als Belohnung. Dein Hund wird dich so auf eine tiefe innige Art lieben und nicht mehr von deiner Seite weichen.

Unsere Grundausbildung erfolgt ohne Futterbelohnung. Würstchen, Guzzeli, Parfaittuben lecken entfällt gänzlich. Das Internet ist voll von Hinweisen, wieviel und was man immer mit sich tragen muss und in einigen Welpenspielgruppen wird den Menschen klargemacht, dass sie ab sofort nur noch mit Guzzeli aus dem Haus gehen können, das ganze Hundeleben lang. 

Wie traurig ist denn eine solche Vorstellung? Dein Hund kann mehr.

Unsere Ausbildungsrichtung hat das Ziel, dass der Mensch aus Sicht des Hundes zum Zentrum des Lebens des Hundes wird. Somit hast du auch Einfluss auf deinen Hund, ohne dass du zuerst Futter oder andere Hilfsmittel in den Taschen suchen musst. Unsere Ausbildungsrichtung führt dazu, dass du immer und überall Einfluss auf deinen Hund haben kannst, denn, du hast deinen Körper, deine «Art Mensch» immer bei dir. 


Herzerwärmend …

… ist der Weg, der dazu führt, dass du als Mensch im Zentrum des Lebens deines Hundes stehst. Er führt über gemeinsame, freudige und verschiedene artgerechte Spielformen. Beim gemeinsamen Spiel kannst du als Mensch die Motivation leiten und den Motivationsgrad jederzeit bestimmen. Im gemeinsamen Spiel wird nur so viel motiviert, wie der Hund benötigt, um sich in seiner Konzentration dir zuzuwenden. 

Das Spielzeug wird auch nicht geworfen, sondern das Spiel findet körpernah statt. Wenn du das Spielzeug wegwirfst, schickst du deinen Hund von dir weg, und später fragst du dich, warum dein Hund einen so grossen Aktionsradius hat und nicht TEAM-Wärts (nach Innen) orientiert ist. Wenn dein Hund nach Innen orientiert ist, und sich nahe bei dir aufhält, hast du auch im Sonderfall mehr Einfluss auf deinen Hund und siehst «Gefahren» früher. Ein entscheidender Vorteil zum Verhindern von ungewünschtem Verhalten. Hinzu kommt, dass dein Hund, wenn du das Spielzeug wirfst, auf dem Weg zum Spielzeug das eine oder andere sieht oder riecht. Dieser Ablenkung kann er nachgehen, hat Spass und somit findet «Lernen am Erfolg» statt, z. B. jagen.

Mit der Futterbelohnung nimmst du dich als Teampartner heraus. Dem Hund geht es dann nicht darum, etwas mit dir als Mensch zu machen, sondern er überlegt nur, wie er am besten an das Futter gelangt. Dieser Effekt zeigt sich oft darin, dass der Hund auf dem Spaziergang zu seinem Menschen zurückkommt, das Futter abholt und sich dann wieder entfernt. 

Mit Futterbelohnung wird die intrinsische Motivation ausgeschaltet. Der selbstbelohnende Prozess, die Selbstwirksamkeit, die gestartet wird, wenn etwas aus eigenem Antrieb erreicht wird, bleibt aus. Dieser Prozess ist jedoch wichtig, damit weitere Herausforderungen freudig angenommen und auch gesucht werden und das Selbstvertrauen wachsen kann und dein Hund im Wesen wächst.

Soziale Anerkennung ist das grösste Lob für das soziale Wesen Hund.

In den nachfolgenden Bildern siehst du, wie die Menschen ihre Welpen, bloss mit der Zeigegeste über Lernstrukturen leiten, ohne Futterlocken.

Uns ist vollkommen bewusst, dass Millionen von Hunden mit der Futterlock-Methode ausgebildet werden. Die Dunkelziffer, wie viele Hundehaltende aber ein Hundeleben lang mit unerwünschtem Verhalten des Hundes kämpfen, welches u.U. aus falscher Belohnung entstanden ist, bleibt.

Eines ist jedenfalls klar: Mit einer Wurst vor der Nase ist es keine Kunst, Leine zu laufen, oder durch die Stadt Bern zu spazieren. Unsere Lebensphilosophie verlangt vom Menschen deshalb verständlicherweise mehr Einsatz im Umgang mit dem treuen Freund Hund. Einsatz, der Wissen voraussetzt.

Zitat einer Kundin, die verstanden hat, worum es geht:
Ich bin froh, dass mein Mann mich auch liebt, nicht nur, weil ich gut kochen kann.

  • Wenn ich ein Spielzeug und Futter auf den Boden lege, braucht der Hund mich nicht, um Futter zu fressen, für ein gemeinsames freudiges Spiel braucht er mich. Gemeinsames, freudiges Spiel ist somit bindungsfördernd.
  • Mit Futter kann ich einen Hund auch in der Angst oder Aggression belohnen, was ich mit Spiel nicht kann. Nur ein Wesen das innerlich frei ist spielt, somit ist „nicht spielen“ DER Hinweis, dass der Hund physisch oder psychisch belastet ist. Ein Hund frisst bis zu einem gewissen Erregungspunkt auch in der Angst oder Aggression und somit wird das Verhalten bei der Futterbelohnung belohnt. Dieses Verhalten zeigen auch die Wölfe und die Übereinstimmung der Genetik Wolf / Hund ist ja bekanntlich 99.4%. Viele Menschen denken, sie lenken den Hund mit Futter vor solchen Situationen ab, dabei werden die Hunde in ihrem Verhalten belohnt.
  • Bei Futterbelohnung wird der Hund auch übermotiviert, d.h. er ist so auf das Futter fixiert und hat einen Tunnelblick. Beispiel, sie locken einen Welpen mit Futter über eine Traverse, ist es möglich, dass er gar nicht realisiert, dass es links und rechts herunter geht und er die tiefe nicht mitbekommt.
  • Wenn ich dem Hund Futterspielzeuge zur Verfügung stelle, z.B. ein Ball oder Würfel, in dessen Inhalt Futter ist und er sich so selbstständig beschäftigt, kann er übererregt werden, d.h. er kann ganz wild werden und spielt auch sehr dynamisch und nervös. Dieses Verhalten ist nicht bindungsfördernd, weil er den Menschen für dieses Spiel gar nicht benötigt.
  • Das Argument, dass wir Menschen für eine Leistung auch belohnt werden, wird ebenfalls oft erwähnt. Innerer Freude und innere Belohnung, weil ein gemeinsames Miteinander Spass und Freude macht, ist die beste Motivation. Freude am Tun. Kinder, die gerne Sprachen lernen, weil es ihnen Spass und Freude macht, sind die besseren Schüler, als jene, die nur für eine Belohnung büffeln. Jene Kinder, die aus Freude lernen, sind im späteren Leben Menschen, die sich mit Herzblut für etwas begeistern können, auch wenn die Belohnung nicht im Vordergrund steht.
  • Wissenschaftliche Versuche (leider), mit Affen, denen man die Mutter weggenommen hat, zeigen, dass Wärme und Nähe einer künstlichen, aber warmen Metall-Mutter für die kleinen Geschöpfe anziehender ist als eine ebenfalls künstliche Metall-Mutter, die zwar Futter von sich gibt, aber keine Wärme ausstrahlt. Die Affen gehen trinken, kuscheln sich dann sofort an die „warme Mutter“. Fazit, Wärme, Nähe, Geborgenheit und emotionale Sicherheit sind weit bindungsfördernder als blosses Futter verabreichen.
  • Futterlocken kann auch zu einer Scheinbindung führen, d.h. der Mensch steht nicht im Zentrum des Hundes aus seiner Sicht, sondern bloss die Futterhand. Im Alltag heisst dies, sie können nicht ohne Futter auf den Spaziergang, der Hund kommt beim Rückruf nur wegen des Futters und entfernt sich nach der Futtergabe sofort wieder vom Menschen und macht "sein Ding", oder, als weiteres Beispiel, er läuft nur locker an der Leine, wenn der Mensch Futter in der Hand mitträgt.
  • Mit Spiel kann ein Hund nicht richtig ausgebildet werden. So sagen die einen. Blindenführhunde werden weitestgehendst futterlos ausgebildet. Dass die Ausbildung zum Blindenführhund eine sehr anspruchsvolle Ausbildung ist, daran zweifelt wohl niemand. Wer Beispiele im Hundesport vermisst, der Suche im Internet unter dem Namen Renate Hummel, sie wurde zwischen 2003 und 2005 mehrmals Landesmeisterin und Deutsche Meisterin und 2011 sogar Weltmeisterin in VPG bei den Riesenschnauzern.
  • Ein letzter Hinweis, in der Schweiz werden Polizeihunde und Hunde im Militärdienst, weitestgehendst futterlose ausgebildet. "Mit Futterbelohnung überdrehen die Hunde", so der Ausbildungschef der KAPO SO.

Kynologos ist DAS renommierte Schweizer Unternehmen, welches sich seit Jahrzehnten schwerpunktmässig mit der Verhaltens- und Wesensentwicklung des Hundes beschäftigt.

Futterbelohnung? nein danke! - Autoren: Dina Berlowitz, Dr. Andrea Weidt, Heinz Weidt, 06-2015

Abhängigkeit und Entmündigung:
Der ständige Einsatz von Belohnungen führt zu Abhängigkeit und hindert daran,
den eigenen Weg zu finden und die Potenziale voll zu entfalten.

Der wahre Motor: Begeisterung:
Das einzige, was nachhaltige Entwicklung und Kreativität fördert,
ist die Freude und das Interesse an einer Tätigkeit.
Dies aktiviert das Gehirn positiv und fördert die Selbstwirksamkeit.

Gerald Hüter, Neurobiologe