Wir hatten meinen Geburtstag mit Hundefreunden gefeiert. Unsere Hunde haben phasenweise mehrere Stunden immer wieder ausgiebig im Garten gespielt, wieder geruht, wieder freudig und ausgelassen, ohne zu bellen, gespielt, geruht, gespielt ohne Ende. Man sah es ihnen im Gesicht an, dass es ihnen sichtlich Freude und Spass machte. Glücksmomente pur für uns Hunde-Menschen.
Schon beim Schlafengehen hat sich gezeigt, dass Freyja «Hundemüde» ist. Freyja, die sonst immer und fast ausschliesslich auf dem Bett schläft, zog es vor, auf ihrem Kissen zu schlafen, so hatte sie, das ist unsere Interpretation, mehr Ruhe vor uns. Um drei Uhr nachts hüpfte sie dennoch aufs Bett und kuschelte sich an uns.
Tags darauf war Ausschlafen bis nach neun Uhr angesagt. Herzerwärmend zuzusehen, wenn Hunde, wenn man sie lässt oder lassen kann, nüschelen, schmatzen, schlafen, zucken, winseln und einfach glücklich und zufrieden vor sich hinleben.
Wohlfühlen, nichts als Wohlfühlen.
Nach dem Morgenessen, 10.30 Uhr, für Mensch und Hund, wollte ich mit Freyja auf den Abenteuerspaziergang. «Freyja, komm, wir gehen» sagte ich zu ihr. Als ich dies kommunizierte, spürte ich sofort, dass da was im Busch war. Dennoch, Freyjas Reaktion habe ich nicht erwartet. Sie schaute mich ein paar Sekunden fragend und witzig-ungläubig an, pfötelt an mir vorbei, die Treppe hoch in mein Büro und legt sich auf ihre kleine Matratze zu den Plüschtieren atmet kurz aus und schaut mich mit einem entspannten Lächeln an als wollte sie mir sagen: Hey, ich bin noch so müde von gestern, lass mich Ruhen und Entspannen, Spaziergang kann warten. Selbstverständlich entsprach ich Freyjas Wunsch, setzte mich auf meinen Bürostuhl und schrieb diesen Blog, immer mit einem glücklichen Lächeln und einem vor Freude hüpfenden Herz und immer bedacht, mich kaum zu bewegen, damit Prinzessin in Ruhe schlafen kann. Das Leben mit Hunden macht einfach sehr viel Freude.
In all den Jahren, wo Hunde uns begleitet haben, gab es viele solche Momente in unserer Mensch-Hund-Beziehung. Ich denke da an Silas, der herausgefunden hat, wie er mich verarschen konnte, wenn ich ihm die Pfoten waschen wollte. Ich liess dieses Spiel jedes Mal zu und jedes Mal hatten wir Spass ohne Ende und am Schluss saubere Pfoten.
Oder, Brian, wie er der Schwiegermutter den Geldbeutel aus der Handtasche klaute und im Garten herumhopste. Alle hatten Freude und lachten. Am Schluss war der Geldbeutel wieder in der Tasche und dann wurden Grenzen gesetzt. Beim nächsten Besuch dasselbe Spiel. Oder, wieder Silas, er zog mir den Schal aus. Wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, kniete ich mich auf den Boden und Silas zog am Schal, und dann gab es Party im Wohnzimmer. Was für ein freudiges «Nachhausekommen». Weitere Beispiele: Socken ausziehen, Handschuh ausziehen und anschliessend freudig herumhopsen, Gartenschlauch «umplatzieren», leere Spritzkanne klauen, und, und, und.
Schlussbemerkung:
Freunde haben uns immer wieder gesagt, dass es auffallend ist, wie all unsere Hunde immer witzig und fröhlich sind, gespickt mit einer Prise Schalk. Meine Frau Doris und ich sind überzeugt, dass genau solche Momente entscheidend sind. Wir kommunizieren etwas, der Hund will etwas anderes und wir gehen auf den Hund ein und entscheiden uns anders. Oder wir lassen es zu, dass wir verarscht werden, siehe Abschnitt oben. Dies fördert die zwischenartliche Kommunikation und den Spassfaktor zwischen Mensch und Hund und dreht sich wie in einer positiven Spirale immer weiter und immer intensiver. Gegenseitige gemeinsame Lebensfreude entsteht und wird weiter gefördert, was sich äusserst positiv auf die Bindung auswirkt.
Apropos Lebensfreude – Lebensfreude schüttet bei Mensch und Hund Glückshormone aus. Diese wiederum stärken das Immunsystem. Ein gesundes Immunsystem ist gut für die Gesundheit und die Lebenserwartung. Dies alles ist in der Philosophie der Lebensschule-Mensch-Hund enthalten. Beidseitig.
Hildegard von Bingen sagte einst: «Gebt dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.»
Bei uns dürfen Hunde auch mal was, ohne dass uns ein Zacken aus der Krone fällt.
Für alle, die jetzt das Negative sehen wollen, erinnere ich gerne an tiefes wölfisches Verständnis.
Denn:
- Leittiere müssen sich nicht durchsetzen
- Leittiere können, aber müssen nicht
- Leittiere müssen sich nicht ständig beweisen
- Echte Leittiere wissen, wenn sie sich durchsetzen wollen, dann können sie auch
Im Umkehrschluss heisst das:
- Leittiere können «geschehen lassen», im tiefen Wissen, wenn sie etwas nicht (mehr) wollen, können sie sich situativ jederzeit durchsetzen, müssen aber nicht.
Ganz nach dem 94:6 Prinzip. - Sei locker, sei eine Führungspersönlichkeit im Leben deines Hundes nach wölfischem Vorbild.
Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen



